Reportage

Porträt - Mara Mattuschka

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KurzSchluss #689 Portrait Mara Mattuschka
Portrait - Mara Mattuschka Portrait - Mara Mattuschka Portrait - Mara Mattuschka

Bei allem, was sie tut, überschreitet Mara Mattuschka Grenzen, bricht Tabus, provoziert, polarisiert, verstört. Für die radikale Malerin und Filmemacherin ist das Leben eine Versuchsanordnung. Mit ihrer Kunst erfindet sie sich immer wieder neu: „Ich hab das Gefühl, ich bin wie eine Katze. Die hat viele Leben. Ich weiß nicht, im wievielten Leben meines Lebens ich bin, vielleicht im fünften oder im sechsten, hoffentlich im vierten.“

Geboren 1959 in Sofia/Bulgarien (sie gewinnt dort 1975 den „goldenen Zirkel für höhere Mathematik“), verlässt Mattuschka nach dem Abitur ihre Heimat und studiert in  Wien zunächst Ethnologie, später an der Kunstakademie Malerei und Trickfilm als Meisterschülerin der renommierten österreichischen Künstlerin Maria Lassnig. Seitdem hat sie neben einem beachtlichen Oeuvre von Gemälden mehr als 40 Kurz- und Spielfilme geschaffen.

Bis 2005 spielt Mattuschka selbst in ihren experimentellen Filmen und Animationen die Hauptrolle. Der weibliche Körper dient der Künstlerin als Projektionsfläche für obszöne und satirische Anspielungen auf Trivialliteratur, Trashkultur und B-Movies. In der Animation „S.O.S. Extraterrestria“ von 1993 verwandelt sie sich in ein Mischwesen aus Godzilla und King Kong. Ähnlich wie der verliebte Affe aus dem Horrorfilm fängt Mattuschkas Alter Ego kleine menschliche Wesen. Die Welt wird zum Spielball einer Riesin aus dem Weltall, die am Ende mit dem Eifelturm kopuliert.

Für ihre mit „Legal Errorist“ (2005) beginnenden Serie von Tanzfilmen arbeitet die Künstlerin eng mit dem österreichischen Choreographen Chris Haring zusammen. Prägend für ihre poetischen, assoziativen Bildfolgen sind transitorische Orte, in denen Menschen nur vorübergehend verweilen, wie ein herunter gekommenes Bordell oder ein verlassenes Kaufhaus (Part Time Heroes, 2007). Ihr Video „Burning Palace“ (2009) spielt in einem schummrigen Wiener Hotel. Fünf Menschen tanzen in pornografischen Posen, wobei nur ihre Schatten auf einem roten Seidenvorhang diese Deutung zulassen. Wie in vielen Filmen von Mattuschka geht es auch hier um die Sehnsucht nach Erotik und die Entgrenzung geheimer Wünsche und Begierden.  2009 wurde „Burning Palace“ mit dem Jurypreis der Oberhausener Kurzfilmtage ausgezeichnet. In diesem Jahr nun präsentiert das Festival eine Gesamt-Retrospektive  des filmischen Schaffens dieser vielseitigen Künstlerin. Anlässlich der Sondersendung zum Oberhausener Festival 2014 widmet KurzSchluss Mara Mattuschka ein eigenes Portrait und direkt im Anschluss an die Sendung präsentiert ARTE „Burning Palace“ erstmalig einem deutschsprachigen und französischen Fernsehpublikum.

 

Autorin: Marita Loosen-Fox
Kamera: Timm Lange
Schnitt: Daniela Thiel
Produktion: Daniela Thiel Film
Redaktion: Sabine Rollberg/WDR
Produktionsjahr: 2014