Kinoherbst auf ARTE

„Lauf Junge Lauf“ von Pepe Danquart - Montag, 5. Dezember um 20h15

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LIVE! Stellen Sie Regisseur Pepe Danquart direkt im Anschluss an die Ausstrahlung seines Films Fragen. Am 5. Dezember ab 21h55 auf unserer Facebook-Seite!

Wieland Speck, Kurator des "Panorama" der Berlinale, stellt vor: „Lauf Junge lauf“ von Pepe Danquart.

 

Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt Oscar-Preisträger Pepe Danquart von einem Jungen und seinem Überlebensinstinkt während des Zweiten Weltkrieges.

Es ist die wahre Geschichte von Yoram Fridman, die Pepe Danquart nach dem gleichnamigen Romanbestseller von Uri Orlev verfilmte. Eine Geschichte, die sich wie ein Märchen anhört und doch bittere, am Ende auch hoffnungsvolle Wirklichkeit war. Dem neunjährigen Srulik (fulminant dargestellt von den Zwillingen Andrzej und Kamil Tkacz) gelingt 1942 die Flucht aus dem Warschauer Ghetto. In den schwer zugänglichen Wäldern lernt er das Überleben, findet im strengen Winter Unterschlupf bei der Bäuerin Magda, deren Mann und Söhne bei den Partisanen kämpfen. Sie bringt dem jüdischen Jungen bei, seine Religion und damit auch seine Identität zu verleugnen und sich als katholischer Waisenjunge Jurek mit Kreuz um den Hals durchzuschlagen. Drei Jahre dauert die Odyssee, während der er Helfer trifft, aber auch Polen, die ihn an die Deutschen verraten, um Kopfgeld zu kassieren, einen SS-Mann, der ihn wohl wegen seines Mutes nicht weiter verfolgt, sondern auf einem Bauernhof arbeiten lässt, wo er nach einem Unfall seinen Arm verliert, auch weil der Arzt im Krankenhaus sich weigert, einen Juden zu behandeln. Als er bei einer polnischen katholischen Familie ein neues, liebevolles Zuhause findet, glaubt er, am Ziel seiner Wünsche angekommen zu sein.

Danquart, der sich gegen große Konkurrenz beim Run auf die Rechte durchsetzte, verzichtet auf zusätzliche dramaturgische Sperenzchen, er hält sich an den vorgegebenen Handlungsrahmen, der auch so spannend und bewegend genug ist. Ruhige Sequenzen im Wald wechseln mit verstörenden Actionszenen, Handkamera-Einstellungen mit Stativaufnahmen bei Totalen. Im Zentrum des Geschehens steht der Identitätskonflikt, den der Junge im harten Alltag verdrängt, wenn er christliche Gebete plappert oder seine Herkunft neu erfindet und dabei scheinbar die eindringlichen Worte seines Vaters vergisst: "Du musst es schaffen. Aber du darfst nie, niemals in deinem Leben vergessen, dass du ein Jude bist". Ohne Pessimismus und Schönfärberei, aber mit großer erzählerischer Kraft und tiefer emotionaler Grundierung, zeichnet dieses erschütternde wie lebensbejahende Drama ein Kinderschicksal in einer unmenschlichen Zeit, weckt Gefühle, ohne in Gefühligkeit abzudriften. Yoram Fridman hat einen anrührenden Auftritt in einer kleinen dokumentarischen Sequenz im Abspann. mk.

Quelle: Blickpunkt:Film


 

Besetzung und Stab

Autor: Uri Orlev
Regie: Pepe Danquart
Drehbuch: Heinrich Hadding, Pepe Danquart
Kamera: Daniel Gottschalk
Musik: Stéphane Moucha
Schnitt: Richard Marizy
Produktion: Bittersuess Pictures, Ciné-Sud Promotion, A Company Filmproduktion, B.A. Produktion, Quinte Film, Bayerischer Rundfunk/ARTE, ARTE France Cinéma, ARD Degeto, Hessischer Rundfunk, Mitteldeutscher Rundfunk, Rundfunk Berlin-Brandenburg
Produzent/-in: Susa Kusche, Uwe Spiller, Pepe Danquart

Mit: Andrzej Tkacz (Srulik/Jurek), Kamil Tkacz (Srulik/Jurek), Elisabeth Duda (Magda Janczyk), Itay Tiran (Mosche Frenkiel), Zbigniew Zamachowski (Herr Fridman), Jeanette Hain (Frau Herman), Lukasz Gajdzis (Pawel), Rainer Bock (SS-Offizier), Przemyslaw Sadowski (Grzegorz Kowalski)

Land: Deutschland, Frankreich
Jahr: 2013
Herkunft: BR